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Geschichte

Der bayerische Gebirgsschweißhund wurde aus den Wildbodenhunden und Bracken des Gebirges und den Hannoverschen Schweißhunden gegen Ende des 19.Jahrhunderts herausgezüchtet.

Um die Beweggründe für die Rassenneugründung zu verstehen, müssen wir uns kurz mit den Jagdmethoden und den daraus resultierenden Anforderungen an die Hunde, beschäftigen, die für die Gebirgsjagd der damaligen Zeit gestellt wurden. Dazu möchte ich den Altmeister unserer Kynolgie Rudolf Friess zitieren, der sich dieses Themas auch schon sehr intensiv angenommen hat und seine Erkenntnisse durch Gespräche mit letzten Zeitzeugen dieser Epoche und Teilnehmern an diesen historischen Jagden, gewonnen hatte :

„Vor noch etwa hundert Jahren ( von 2006 zurückgerechnet etwa 180 Jahre, Anm.des Verf.) vollzog die deutsche und österreichische Hochgebirgsjägerei den Hauptabschuss von Hirsch und Gams nicht in der Brunft, wie das heute üblich ist, vielmehr veranstaltete man schon in der Feistzeit die großen Hauptjagden. Dies waren keine Treibjagden im heutigen Sinne, sondern große Brackaden. Bis zu einem Dutzend Hundeführer mit bis zu 30 bis 50 Hochgebirgsbracken gingen und stiegen das Gebirge durch, die Gräben und die Kare, die Dickungen und die Latschenfelder, also die jeweiligen Wildeinstände. Es wurde auch nicht im „Pack“ , also nicht mit geschlossenen Meuten gejagt, wie einst bei den großen Parforcejagden auf Hirsch und Keiler in der Ebene. Jeder der Hundeführer hatte nur zwei bis drei Bracken bei sich. Auch diese Hunde wurden nicht im „Pack“ und aufs Geradewohl geschnallt, sondern nur einzeln von der Koppel gelöst, wo man eine frische Fährte jagdbaren Wildes fand oder die Hunde das Wild markierten.

Bei diesen Hauptjagden brauchte man keine Schweißhunde. Denn, wenn ein Wild vor der Bracke angeschweißt wurde, jagte es diese selbstverständlich erst recht zu Stande, auch wenn dies viele Stunden, ja Tage dauerte. Da diese Bracken selbstredend locker fährtenlaut waren und eisern stellten, fand man den Bail des stellenden Hundes schon irgendwie. „Soweit die Ausführungen von R.Friess.

 Die wichtigsten Anforderungen an diese Jagdhunde waren also:

  • absolute Geländetauglichkeit ; kein zu schwerer Körperaufbau gerade, sehnige Läufe mit kurzen geschlossenen Pfoten; nicht all zu langer Rücken damit die Hunde gut wenden und springen konnten; dichtes, harsches Haarkleid, um den rauen Wetterbedingungen zu trotzen; gute Kondition;
  • absoluter Fährtenwille, gepaart mit Fährtensicherheit und Fährtentreue
  • Hetzfreudigkeit
  • Fährtenlaut
  • Wildschärfe

Nach diesen Kriterien wurden die Zuchthunde ausgesucht, dabei spielte es nur eine untergeordnete Rolle ob sie braun, schwarz oder rot waren. Große weiße Abzeichen waren nicht so beliebt, weil die Hunde zu auffällig wurden.

Der Bayerische Gebirgsschweißhund, wie die neue Rasse 1883 eingetragen wurde, fand Verbreitung zuerst bei den Bergjägern, durch gezielte Abgabe von Welpen, und dann auch bei vielen Liebhabern der Rasse. Leistungsüberprüfungen fanden in der damaligen Zeit nur in der Praxis statt, ein zielgerichtetes Prüfungswesen gab es noch nicht.

Friess beschreibt die Zuchtbemühungen der frühen Zeit in seinem Büchlein als „ reine Form-, Ausstellungs-, und Zufallszucht“.

Diese hart anmutende Beurteilung muss relativiert werden, denn durch die Bemühungen einiger Idealisten wurde die Basis für eine Rasse geschaffen und das Exterieur der Hunde durch Reinzucht gefestigt, wenn auch zu dem hohen Preis, dass die vorhandene Leistungsfähigkeit der Hunde zu geringes Augenmerk fand.

1912 wurde nun der Zuchtverein gegründet, der sich um das Wohlergehen der Rasse annehmen sollte.

Es war eine unglückliche Zeit, denn kurze Zeit später brach der 1.Weltkrieg aus und brachte viele, der gerade anlaufenden Vereinsaktivitäten wieder zum Stillstand.

Die wenigsten der damals gezüchteten Hunde hatten Elterntiere, die auf einer Kunstfährte oder geschweige denn einer Naturfährte geprüft waren. Meist waren die zur Weiterzucht verwendeten Tiere lediglich auf einer Zuchtschau vorgestellt worden. Erst ab dem Jahre 1939 erließ die unter dem nationalsozialistischen Regime gegründete Fachschaft für bayerische Gebirgsschweißhunde Bestimmungen, wonach ausschließlich leistungsgeprüfte Hunde eine Zuchtgenehmigung erhalten konnten.

Die Zucht des Bayerischen Gebirgsschweißhundes stagnierte etwas in den Jahren zwischen den Kriegen. Wohl waren die Hunde sehr ausgeglichen in ihrem Aussehen, aber die hochqualifizierten Leistungen beschränkten sich auf wenige Tiere. Viele Hunde „verlagen“ in den Stuben der Berufsjäger, weil sie erstens nicht die, für die Bergjagd notwendige Passion hatten und zweitens durch die Schönheitszucht nicht mehr genügend Widerstandsfähigkeit gegen die harten Witterungsbedingungen im Gebirge.