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Infektionskrankheiten

Zeit seines Lebens ist jeder Organismus zahlreichen Infektionen verschiedenster Erreger ausgesetzt. Besonders gefährdet zu erkranken sind Welpen und ältere Tiere bzw. Tiere, bei denen das Immunsystem aus anderen Gründen nicht gut arbeitet.

Virusinfektionen, gegen die derzeit geimpft werden kann - diese sind kleine Körper aus Nukleinsäure und Eiweißhülle, die eine Zelle zur Vermehrung brauchen und diese dabei schädigen oder zerstören.

Tollwut
Durch konsequente Fuchsimpfung in Mitteleuropa konnte das Auftreten der Tollwut eingedämmt werden. Die Gefährlichkeit der Krankheit liegt darin, dass sie immer tödlich verläuft, wenn Krankheitssymptome auftreten. Das Rabiesvirus wird über den Speichel - meist durch Biss - übertragen. Bereits mehrere Stunden vor Auftreten der ersten Symptome ist Virus im Speichel vorhanden. Abgesehen von der bekannten Aggressivität zeigen erkrankte Hunde Symptome einer Gehirnhautentzündung wie Fieber, ungleich große Pupillen, Überempfindlichkeit bei Berührung, Krämpfe, speicheln usw. Aufgrund der tödlichen Gefahr durch das Virus und der Möglichkeit der Übertragung auf den Menschen ist die Schutzimpfung für alle Hunde wichtig.

Staupe

Das dem menschlichen Masernvirus verwandte Staupevirus zählt zu den für Hunde gefährlichsten Viren. Je nachdem, welche Organe besonders betroffen sind zeigen die Hunde Fieber, Bindehautentzündung, Husten, Erbrechen und Durchfall, Symptome einer Gehirnhautentzündung ähnlich Tollwut, Veränderungen an den Pfoten u.a. Oft verläuft die Staupe tödlich. Folgeschäden wie Gebissfehler oder Zwangsbewegungen sind häufig. Die Impfung mit jährlicher Auffrischung bietet Schutz. Impfdurchbrüche können jedoch bei Seuchenzügen auftreten - hoher Virusdruck, andere Virusstämme, zu lange Impfintervalle u. a. begünstigen diese.

Ansteckende Leberentzündung/HCC
Diese Adenovirusinfektion tritt inzwischen wegen der guten Durchimpfung selten auf. Die Leberentzündung kann trotz bester Therapie oft nicht in Griff gebracht werden. Erbrechen und Gelbsucht sind die häufigsten Symptome.

Parvovirusinfektion
Anfang der 80er Jahre trat das Parvovirus beim Hund erstmals auf. Es führt zur Zerstörung der Darmschleimhaut mit lebensbedrohender Magen-Darmentzündung oder bei sehr jungen Welpen zum Herzmuskelschaden mit plötzlichem Herztod.

Um das Auftreten zu verhindern, ist ein guter Impfschutz des gesamten Zuchtbestandes - und natürlich aller anderen Hunde - anzuraten. In gefährdeten Beständen sollten die Welpen bereits in der 6. Lebenswoche mittels Welpenimpfstoff das erste Mal geimpft werden. Auffrischungsimpfungen gegen Parvovirusinfektion können im Abstand von 2 Wochen bis zur 16. Lebenswoche notwendig sein.

Auch bei dieser Infektionskrankheit gibt es leider Impfdurchbrüche. Die betroffenen Tiere erkranken jedoch wesentlich weniger stark und haben deutlich bessere Heilungsaussichten.

lmpfplan

Empfohlen wird die Grundimmunisierung mit der 8. und 12. Lebenswoche gegen Staupe, HCC und Parvovirose sowie gegen Tollwut in der 12. und 16. Lebenswoche (+Parvo) sowie jährliche Auffrischungsimpfungen.
Die Virologen empfehlen, zumindest die Tollwutgrundimmunisierung getrennt von anderen Impfungen durchzuführen.

Viruserkrankungen, gegen die Impfstoffe auf den Markt kommen werden

Canine Coronavirusinfektion
Coronaviren können beim Hund Darmentzündungen mit Durchfall ähnlich der Parvovirusinfektion hervorrufen. Die Erkrankung verläuft aber meist milder. Ein Impfstoff eines amerikanischen Erzeugers ist in Registrierung.

FSME
In den österreichischen Zeckengebieten muss damit gerechnet werden, dass jede 1000ste Zecke FSME-Virus überträgt. Auch beim Hund kommt es bei einem Teil der infizierten Tiere zur Gehirnhautentzündung. Der Impfstoff für den Menschen sollte im Sommer 2000 auch für den Hund untersucht werden. Die Ergebnisse wurden aber noch nicht veröffentlicht. Derzeit ist also noch nicht bekannt, ob der Humanimpfstoff beim Hund genügend Schutz bietet. Schutz vor Zeckenbissen und die Kontrolle des Fells nach dem Spazieren gehen sind anzuraten.

Bakterielle Infektionen, gegen die derzeit geimpft werden kann - Impfstoffe gegen Bakterien sind aufgrund der komplexeren Bauweise dieser Organismen schwieriger herzustellen, führen häufiger zu lmpfreaktionen als virale Impfstoffe und haben eine etwas geringere Schutzwirkung als diese.

Leptospirose
Leptospirose sind Bakterien, die zu Erkrankungen von Leber oder Niere führen können (Weil'sche Krankheit, Stuttgarter Hundeseuche). Die häufigsten Symptome sind großer Durst, Erbrechen, große Harnmengen, Fieber, Appetitmangel und Gelbsucht. Die Bakterien kommen bei vielen Tierarten und auch beim Menschen vor. Es gibt verschiedene Stämme. Die Impfung schützt gegen die gängigen Stämme, aber nicht gegen alle verschiedenen Leptospirenstämme, die weltweit vorkommen. Die Impfung erfolgt normalerweise in Kombination mit Staupe, Hepatitis und Parovovirusinfektion.

Borreliose
Borrelien werden durch Zecken übertragen. In österreichischen Risikogebieten ist jede 3. Zecke infiziert. Inzwischen sind 3 Borrelienstämme bekannt. Beim Hund sind Gelenksentzündungen, Mattheit und Fieber die häufigsten Symptome. Aber auch chronische Organerkrankungen treten auf. Der Impfstoff enthält nur einen Stamm. Der Impfstofferzeuger berichtet von einer guten Kreuzimmunität, die sich in der Praxis aber als nicht 100% erwiesen hat. Durchgeführt sollte die Impfung nur in der zeckenfreien Zeit werden.

Mischinfektionen - Viren und Bakterien

Zwingerhusten
An der Entstehung des Zwingerhusten sind mehrere Erreger - Parainfluenzaviren, Adenoviren Typ 2, Bordetella bronehiseptica und andere Bakterien, Pilze - sowie ungünstige Umwelteinflüsse bzw. Stress beteiligt. Der trockene Husten ist charakteristisch. Guten Schutz erzielt man mit einer separaten Impfung, die auch gegen Bordetella schützt. Die Parainfluenzaviruskomponente vieler Kombinationsimpfstoffe hat zumindest in den letzten Jahren keinen ausreichenden Schutz bei hohem Infektionsdruck (z.B. Hundepension) geboten.

Quelle:   Österreichischer Retriever Club (ÖRC)